Tsolov oder Lawson: Red Bull steht vor einer schwierigen Entscheidung

Tsolov oder Lawson: Red Bull steht vor einer schwierigen Entscheidung

 

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Nikola Tsolov schickt sich an, der nächste Red-Bull-Junior zu werden, der vor dem Sprung in die Königsklasse steht. Allerdings macht es Liam Lawson den Racing Bulls bei der Fahrerwahl für 2027 alles andere als leicht.  Getty Images/LAT Images (Fotomontage) Nikola Tsolov oder Liam Lawson: Wer fährt 2027 für die Racing Bulls?

Die Formel-2-Karriere von Tsolov hat in den vergangenen Monaten rasant an Fahrt aufgenommen. Nachdem er im Vorjahr Vizemeister in der Formel 3 geworden war, fackelte Red Bull nicht lange und beförderte den Bulgaren für die finalen Rennwochenenden der Saison direkt in die Formel 2. Diesen radikalen Schritt zu wagen, während der Großteil der Konkurrenz bereits ein ganzes Jahr – oder noch länger – Erfahrung mit den anspruchsvollen Formel-2-Boliden auf dem Buckel hatte, war eine Mammutaufgabe.
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Doch Tsolov überzeugte auf Anhieb: In Katar fuhr er bei seinem Debüt im Hauptrennen direkt in die Punkte, und in Abu Dhabi verblüffte er das Fahrerlager mit seinem ersten Podestplatz im Sprint. Diesen Schwung hat Tsolov nahtlos in die aktuelle Saison mitgenommen. Mit bislang vier Siegen im Gepäck rangiert er momentan auf dem zweiten Platz der Meisterschaft. Durch seinen jüngsten Triumph im Hauptrennen von Spielberg ist er bis auf zwei magere Zähler an den Spitzenreiter Gabriele Mini herangerückt. Zugegeben: Das diesjährige Formel-2-Feld gehört gewiss nicht zu den stärksten der vergangenen Jahre. Tsolovs steile Formkurve ist dennoch mehr als beeindruckend. Was die Bosse bei Red Bull am meisten schätzen – ganz so, wie es Helmut Marko schon in der Vergangenheit predigte -, ist die Fähigkeit eines Youngsters, sich blitzschnell an den nächsten Entwicklungsschritt und an noch schnellere Autos anzupassen. Red-Bull-Junioren in der Formel 1

Während dieser Lernprozess in der Formel 3 noch etwas schleppend verlief, ist er in der Formel 2 unübersehbar. Ein exzellentes Omen für den finalen Sprung in die Formel 1. Gleichwohl bremste Franco Colapinto kürzlich in einem Interview mit Autosport die Erwartungen und betonte, dass der Wechsel in die Formel 1 die mit Abstand härteste Umstellung sei und kein Nachwuchstalent jemals vollends darauf vorbereitet sein könne.
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Das betrifft vor allem den immensen Druck, die unzähligen Medientermine, das Scheinwerferlicht und all die Verpflichtungen abseits der Rennstrecke. Laut Colapinto wiegen diese Faktoren hundertmal schwerer als in den Nachwuchskategorien. “In der Formel 1 sitzt man eigentlich nur etwa zehn Prozent der Zeit im Auto”, rechnet er vor. Tsolov vor Formel-1-Test, aber Lawson übertrifft die Erwartungen Das reine Fahren bleibt natürlich das Fundament – und genau das steht Tsolov nun bevor. Bislang hat er noch kein offizielles Formel-1-Training absolviert. Im Rahmen eines TPC-Programms (Testing of Previous Cars) muss er nun zunächst mindestens 300 Kilometer in einem älteren Formel-1-Boliden abspulen. Racing-Bulls-Geschäftsführer Peter Bayer verriet bereits, dass diese TPC-Tests für den Herbst angesetzt sind. Gegen Ende der Saison soll dann ein Einsatz im ersten Freien Training folgen – höchstwahrscheinlich gekoppelt mit dem Rookie-Test in Abu Dhabi, vorausgesetzt, dort findet das Saisonfinale statt.
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Sollte Tsolov seinen aktuellen Kurs beibehalten, führt für 2027 kaum ein Weg an ihm vorbei. Das sorgte im Fahrerlager bereits vor Monaten für anhaltende Gerüchte. Racing Bulls dementierte diese Spekulationen damals vehement – und Bayer bekräftigte diese Haltung in dieser Woche noch einmal. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); “Er macht einen fantastischen Job und ist ein riesiges Talent, das wir natürlich genau beobachten. Aber wir haben erst sieben Rennen hinter uns, und Liam und Arvid machen einen ebenso großartigen Job. Es ist im Moment also überhaupt kein Thema”, stellt Bayer klar. Normalerweise wäre die Beförderung von Tsolov ein absoluter Selbstläufer – erst recht, wenn man die traditionelle Red-Bull-Philosophie bedenkt, hauseigene Talente im Eiltempo nach oben zu ziehen. Doch diesmal gibt es ein dickes Aber namens Liam Lawson, der in dieser Saison ebenfalls alle Erwartungen übertrifft.
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Hinter dem Neuseeländer liegt eine mentale Achterbahnfahrt, nachdem er im vergangenen Jahr direkt nach dem Großen Preis von China von Red Bull zurück zu Racing Bulls beordert worden war. Obwohl er öffentlich stets betonte, dass ihn dieser Rückschlag nicht aus der Bahn geworfen habe – “weil mir bei Red Bull schlicht die Zeit fehlte, mich wirklich zu beweisen” -, dauerte es ein wenig, bis er beim Schwesterteam wieder seinen gewohnten Rhythmus fand. In diesem Jahr läuft der “Kiwi” jedoch zur Höchstform auf. In sechs der bisherigen acht Grands Prix fuhr Lawson in die Punkte. Das ist umso bemerkenswerter, da die vier Topteams der Formel 1 den Großteil der Top-10-Plätze ohnehin unter sich aufteilen. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Dieses Kräfteverhältnis lässt im Normalfall nur zwei Platzierungen für den “Best of the Rest” übrig – auch wenn man fairerweise sagen muss, dass Red Bull ungewohnt holprig in die Saison gestartet ist. Lawson war jedenfalls an jedem Wochenende mittendrin im Kampf um diese verbliebenen Zähler.
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Besonders der Juni untermauerte seine starke Form: Lawson holte einen starken sechsten Platz im Leitplanken-Dschungel von Monaco, gefolgt von Rang acht in Barcelona und Platz neun in Österreich – und das auf zwei völlig unterschiedlichen Streckencharakteristiken. Damit liefert er exakt das ab, was Racing Bulls und Red Bull von ihm verlangen. Zumal das Teammanagement betont, wie sehr Formel-1-Rookie Arvid Lindblad von Lawsons Erfahrung profitiert. Wird am Ende die “Red-Bull-Philosophie” entscheiden? All das macht die Entscheidung, vor der Racing Bulls und letztlich auch die Red-Bull-Führung für 2027 stehen, extrem knifflig. Sie rührt an der fundamentalen Frage, welche Rolle das Team aus Faenza künftig überhaupt einnehmen soll.
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Versteht sich Racing Bulls weiterhin primär als Ausbildungsteam für Red Bull, wäre die Beförderung von Tsolov der einzig logische Schritt. Lawson hatte seine Bewährungsprobe im Topteam bereits und besitzt dort, zumindest aktuell, keine Aussicht auf eine baldige Rückkehr. Kurzum: Bleibt die Ausbildung junger Talente der Hauptzweck von Racing Bulls, spricht alles dafür, dem 19-jährigen Bulgaren so schnell wie möglich das Vertrauen zu schenken.
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Gleichzeitig wäre dieses Szenario ein brutaler Schlag für Lawson. Realistisch betrachtet kann die Chefetage kaum mehr von ihm verlangen, als er in dieser Saison zeigt. Zudem darf man nicht vergessen, dass Lawson selbst erst 24 Jahre alt ist – da ist also noch reichlich Luft nach oben. Die aussichtsreichsten Junioren der Formel-1-Teams 2026

Es ist ein klassisches Luxusproblem, das durch einen weiteren Faktor verschärft wird: Sollte Tsolov in diesem Jahr den Formel-2-Titel holen, darf er laut Reglement im nächsten Jahr nicht mehr in der Serie antreten. Ein Kompromiss bestünde darin, ihn 2027 ein komplettes Jahr lang als Testfahrer hinter den Kulissen reifen zu lassen, um ihn behutsam auf die Formel 1 vorzubereiten. Die jüngere Vergangenheit zeigt jedoch, dass diese Warteschleife sowohl für das Team als auch für den Fahrer nach hinten losgehen kann.
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Felipe Drugovich beispielsweise wartet trotz seines dominanten Formel-2-Titels bis heute vergeblich auf seine Formel-1-Chance. Für Leonardo Fornaroli bleibt zu hoffen, dass ihm nicht dasselbe Schicksal blüht – Haas wäre gut beraten, ihn für das kommende Jahr unter Vertrag zu nehmen. Auf der anderen Seite parkte Alpine Oscar Piastri nach dessen Formel-2-Titel ebenfalls zunächst an der Seitenlinie – nur um das Supertalent im darauffolgenden Jahr an McLaren zu verlieren. Aber das ist eine ganz eigene Geschichte. Der einzige Trumpf für Red Bull ist im Moment der Faktor Zeit. Weder Tsolov noch Lawson zeigen Anzeichen von Abwanderungsgedanken. Die Entscheidungsträger können sich also entspannt zurücklehnen und genau analysieren, wie sich das Duell im weiteren Saisonverlauf entwickelt.
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Dazu gehört logischerweise auch die Auswertung von Tsolovs Rundenzeiten in einem echten Formel-1-Auto – sowohl bei den anstehenden TPC-Tests als auch bei den Einsätzen im Freien Training. Es geht hier gewiss nicht darum, den nächsten Max Verstappen aus dem Hut zu zaubern – ein Talent dieses Kalibers hat das Juniorprogramm seither nicht mehr hervorgebracht. Dennoch beschert die Situation Red Bull ein echtes Luxusproblem. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Misst man die Situation an der traditionell mutigen und aggressiven Philosophie von Red Bull, bleibt die Beförderung von Tsolov die wahrscheinlichste Variante. Doch Liam Lawson tut derzeit alles, was in seiner Macht steht, um den Bossen diese Entscheidung so schwer wie möglich zu machen – und sie zumindest maximal hinauszuzögern.

 
Formel1.de 

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