Warum Arvid Lindblad trotz Ausfall in Kanada wieder ein Statement setzte

Warum Arvid Lindblad trotz Ausfall in Kanada wieder ein Statement setzte

 

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Die Enttäuschung war grenzenlos, der Tag ruiniert. Arvid Lindblads gestrandeter VCARB 03 sorgte beim Großen Preis von Kanada am Sonntag nicht nur für das Chaos am Start, als das Feld zwei zusätzliche Einführungsrunden absolvieren musste, sondern auch für den kaum verhohlenen Frust des 18-Jährigen.  LAT Images Arvid Lindblad schied am Sonntag bereits vor dem Start aus

Im übertragenen Sinne kam sein Rennen nie aus dem ersten Gang, im wörtlichen Sinne konnte er gar nicht erst in den ersten schalten. Eine streikende Kupplung war der Übeltäter, der Lindblad dazu zwang, seinen neunten Startplatz aufzugeben und die nächsten zwei Stunden niedergeschlagen in der Garage zu verbringen. “Es ist ein bisschen ärgerlich”, verzog Lindblad das Gesicht, als er während des noch laufenden Rennens in die Medienzone gebeten wurde. “Wenn man bedenkt, dass Colapinto jetzt auf Platz sechs fährt – und wir vor ihm gestartet wären”, ärgerte er sich.
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Und er hat allen Grund, niedergeschlagen zu sein. Teamkollege Liam Lawson zeigte mit Platz acht, was im Racing-Bulls-Auto steckte, obwohl er den gesamten Freitag wegen eines Hydraulikproblems verpasst hatte, während Lindblad es in Q3 schaffte und von Startplatz neun ins Rennen gehen sollte. Platz sechs und die dazugehörigen acht Punkte wären das i-Tüpfelchen auf ein ansonsten brillantes Wochenende des jungen Briten gewesen. Lindblad war noch nie zuvor in Montreal gefahren, meisterte aber die Anforderungen und Eigenheiten rund um die Ile Notre-Dame wie ein Routinier. Ein einzelner, nur schwach tröstender Punkt für Platz acht im Sprint war sein Lohn. Doch seine Chance wird wieder kommen. Racing Bulls findet in der Regel Wege, seinen Nachwuchshoffnungen die Möglichkeit zu geben, ihren Wert mit einem Schlagzeilenergebnis zu demonstrieren – sofern die Umstände es zulassen. Man frage nur Isack Hadjar, dessen dritter Platz in Zandvoort im vergangenen Jahr ihn ins Gespräch für ein Red-Bull-Cockpit brachte. Kein großer Druck für Lindblad im Rookiejahr Unter neuer Führung scheint sich eine gewisse Ruhe im Nachwuchsprogramm von Red Bull eingestellt zu haben. Als Helmut Marko die Geschicke lenkte, war es ein zweischneidiges Schwert, zu seinen Junioren zu gehören. Kein anderes Nachwuchsprogramm hat so viele Fahrer in die Formel 1 gebracht, doch das lag auch an der berüchtigt hohen Fluktuation: Wer nicht lieferte, war schnell wieder draußen. Dieses System brachte Sebastian Vettel und Max Verstappen in Weltmeisterautos und führte auch Fahrer wie die späteren Rennsieger Carlos Sainz und Pierre Gasly in die Formel 1. Doch jedem Erfolg stehen zahlreiche aussortierte Fahrer gegenüber: Jaime Alguersuari, Jean-Eric Vergne, Sebastien Buemi und andere wurden aussortiert, sobald es schwierig wurde. Kein Wunder, dass einige Nachwuchsfahrer mutig genug waren, ein Angebot von Marko auszuschlagen. Dicker Rückschlag für Russell: Kostet Kanada-Aus die WM? I Rennen F1 Montreal 2026 Video wird geladen…  

Das vergangene Jahr war ein perfektes Beispiel für die gelegentliche Unberechenbarkeit des Programms: Lawson wurde genauso schnell aus dem Red-Bull-Cockpit entfernt, wie er hineingeraten war, während Yuki Tsunoda vergleichsweise viel Zeit bekam, sich zu beweisen – aktuell aber nur noch als Ersatzfahrer fungiert.
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Heute hat sich die Wahrnehmung jedoch deutlich entspannt. Ohne ständige Gerüchte um seine Zukunft fährt Lawson eine starke Saison, und Lindblad steht in seinem Rookiejahr nicht unter unnötigem externem Druck. Dabei hilft sicherlich, dass die nächste Generation an Talenten noch ein paar Jahre von der Königsklasse entfernt ist. In der Formel 2 klopft Nikola Tsolov an die Tür, um der erste bulgarische Formel-1-Fahrer zu werden, während Fahrer wie der britische Formel-4-Champion Fionn McLaughlin, Eurocup-3-Titelträger Mattia Colnaghi und der mexikanische Hoffnungsträger Ernesto Rivera in der Formel 3 unterwegs sind.
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Das gibt Lindblad Sicherheit und die Möglichkeit, sich in einem Umfeld mit geringem Druck zu entwickeln. Man darf nicht vergessen, wie schnell Lindblad aufgestiegen ist. Vor weniger als drei Jahren fuhr er noch in der Formel 4, verbrachte jeweils nur ein Jahr in Formel 3 und Formel 2 und wurde dann direkt in die Formel 1 befördert. Ermutigender Start und noch Luft nach oben Zwar stellten einige infrage, ob er nach Platz sechs in der Meisterschaft bereit für die Anforderungen der Königsklasse sei, doch ein Titelgewinn ist auf der letzten Stufe nicht entscheidend. Kimi Antonelli wurde in seiner einzigen Formel-2-Saison ebenfalls Sechster – und schlägt sich aktuell nicht so schlecht … Punkte beim Debüt in Australien, während er Gabriel Bortoleto hinter sich hielt, waren ein erster Beleg für Lindblads Qualitäten. Die folgenden Rennen in China, Japan und Miami verliefen weniger glücklich für den halb schwedischen, halb britisch-indischen Fahrer, insbesondere in Miami, wo er in Q1 ausschied. Doch insgesamt bewegte er sich bislang auf Augenhöhe mit Lawson.
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In den Qualifying-Duellen bei Grands Prix führt Lawson mit 3:2, was aus Lindblads Sicht ein sehr ermutigender Start ist. Die kommenden Rennen dürften ihm zudem entgegenkommen, da er die europäischen Strecken bereits kennt. Red-Bull-Junioren in der Formel 1

Er muss nicht mehr gleichzeitig neue Kurse lernen und sich an die Formel 1 gewöhnen. Inzwischen ist er mit seinem weiß lackierten Auto bestens vertraut und bewegt sich in bekannten Umgebungen. Das bietet ihm die Chance zu zeigen, was in ihm steckt – insbesondere in Barcelona, wo er sowohl in der Formel 2 als auch in der Formel 3 bereits gewonnen hat. Ein beeindruckender Aspekt seiner Fahrweise ist der Umgang mit längeren Stints, vor allem auf härteren Reifen. Das zeigte er im Montreal-Sprint, als er sich früh im Rennen einen Vorsprung auf Colapinto erarbeitete und den letzten Punkt absicherte. Dass ihm das bereits früh im Rennen gelang, zeigt, dass er aus früheren Einsätzen gelernt hat, in denen er einige Runden brauchte, um den Rhythmus zu finden.
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Vielleicht lag das an einer gewissen Vorsicht, um die Reifen nicht zu schnell zu überlasten. Doch hier gilt es, die richtige Balance zu finden. Mit wachsender Erfahrung wird er den optimalen Punkt zwischen Reifenmanagement und schnellerem Erreichen des Temperaturfensters finden. Das richtige Umfeld und die richtige Einstellung Man vergisst leicht, dass Lindblad erst 18 Jahre alt ist. Vielleicht haben Fahrer wie Verstappen, Lance Stroll und Antonelli mit ihren frühen Debüts dieses Bild normalisiert, oder es liegt daran, dass Lindblads reflektierte Art und Ruhe nicht dem Klischee eines hitzköpfigen Youngsters entsprechen. Rennfahrer sind eine besondere Spezies, und wer schon seit Jahren um die Welt reist, um Rennen zu fahren, für den wird das in der Formel 1 zur Selbstverständlichkeit. Es hilft, dass Lindblad mit Oliver Rowland, dem amtierenden Formel-E-Weltmeister, einen erfahrenen Mentor an seiner Seite hat. Auch Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane, selbst ein erfahrener Ingenieur in der Formel 1, hat das hervorgehoben.
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“Er ist auf einem hohen Niveau eingestiegen, das ist klar. Ich denke, er hat sehr klug gewählt, mit welchen Leuten er abseits der Strecke arbeitet. Ollie Rowland kümmert sich um ihn, ist eine Art Mentor oder Sparringspartner, wie man es nennen will. Ollie ist dieses Wochenende hier, das ist ein echter Vorteil”, so Permane in Kanada. “Arvid ist ziemlich fordernd, was ich ebenfalls gut finde. Er will alles sofort. Wenn überhaupt, muss man ihn eher ein wenig bremsen und auf diesem Niveau halten. Man sieht, dass er hoch hinauswill. Er ist selbstkritisch, und das ist eine sehr positive Eigenschaft. Er sucht die Leistung zuerst bei sich selbst. Es gibt also keine Probleme mit Arvid, er macht einen sehr guten Job.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Genau diesen Hunger möchte man bei einem jungen Fahrer sehen, und die Enttäuschung vom Sonntag in Kanada wird Lindblad nur zusätzlich antreiben. Er ist ein junger Mann mit großem Tempo – muss aber aufpassen, in diesem Jahr nicht zu viele wichtige Lernschritte zu überspringen.

 
Formel1.de 

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