Was hinter dem Cadillac-Beben steckt – und warum gerade jetzt
| . | . | . |
Mehr als eine Woche vor dem Großen Preis der Niederlande in Zandvoort wurde die Formel-1-Welt abrupt aus ihrer Sommerpause gerissen. Um 16:00 Uhr deutscher Zeit entschied Cadillac am Mittwoch, dass der Moment für eine Schockmeldung gekommen war: Graeme Lowdon wurde mit sofortiger Wirkung durch Marcin Budkowski als Teamchef ersetzt. LAT Images/Cadillac (Fotomontage) Marcin Budkowski beerbt Graeme Lowdon als Teamchef bei Cadillac
Zwei Elemente dieser Nachricht sind für sich genommen nicht sonderlich ungewöhnlich. Für viele im Fahrerlager war bereits seit längerer Zeit klar, dass der beliebte Lowdon zwar in der ersten Aufbauphase des Teams eine Schlüsselrolle spielte, aber langfristig nicht Teamchef bleiben würde. Ebenso wenig überrascht es, dass Cadillac sich an jemanden wie Budkowski gewendet hat. Der in Frankreich ausgebildete Pole hat Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Bereichen der Formel 1 gesammelt: in technischen Funktionen bei Rennställen wie Prost, Ferrari und McLaren, auf Reglement-Seite durch seine Zeit bei der FIA und anschließend auf der Führungsebene bei Alpine.
//jseAo3c(“Rect”);
Die Hauptfrage betrifft das Timing: Warum jetzt, und warum so früh? Die Frage nach dem Zeitpunkt Cadillac betonte sowohl in seiner Pressemitteilung als auch in der anschließenden Medienrunde, dass es sich um einen “geplanten Übergang” handele. Aber selbst dann ist der Zeitpunkt extrem ungewöhnlich. Er fällt mitten in die Sommerpause und geschieht auf der Hälfte der allerersten Formel-1-Saison von Cadillac – mit anderen Worten: extrem früh. “Wann immer man in der Formel 1 eine Veränderung vornimmt, ist das – wie Sie alle wissen – sehr schwierig”, sagte Towriss und zog im Grunde das Fazit, dass es für einen solchen Eingriff nie den perfekten Moment gibt. Gleichwohl räumt der 54-jährige Amerikaner ein, dass es nicht die Absicht war, den Wechsel schon so früh zu vollziehen. Ja, die Ablösung von Lowdon war von Anfang an Teil des Plans, aber nicht zwingend zu diesem Zeitpunkt. “Graeme und ich haben immer darüber gesprochen, dass es irgendwann einen Übergang geben würde. Diese Entscheidung lag bei mir. Und ich denke, es gibt nur ein sehr kurzes Zeitfenster für diese Gelegenheit.” “Wenn man sich ansieht, was wir hier aufbauen, gibt es die Chance, etwas Neues und Innovatives zu schaffen. Was ich nicht wollte, war, etwas aufzubauen, das es schon gibt – etwas Altes -, um es dann zu verbessern. Ich glaube also, dass die Zeit für diesen Wechsel früher kam als erwartet.” queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Das wirft natürlich die Frage auf, wann Cadillac die Ablösung von Lowdon ursprünglich geplant hatte. Als Motorsport.com jedoch nachfragte, ob die ursprüngliche Idee war, den Wechsel am Ende der ersten Saison des Teams zu vollziehen, wollte Towriss nicht ins Detail gehen.
//jseAo3c(“Rect”);
“Ich würde mich da auf keinen Zeitplan festlegen. Ich denke, es sollte eher so eine Art ‘Wait-and-see’-Sache werden.” In der Praxis fügten sich einige Puzzleteile des Prozesses erst in letzter Minute zusammen. Budkowski enthüllte während der Medienrunde, dass er noch nicht einmal Zeit für einen ordentlichen Werksrundgang hatte, während Towriss erklärte, dass Lowdon erst am Morgen vor der öffentlichen Ankündigung informiert wurde.
//jseAo3c(“Rect”);
“Graeme und ich haben also heute Morgen gesprochen, von daher war das aus dieser Perspektive ein sehr kurzfristiges Gespräch”, sagte Towriss und fügte hinzu, dass es keine einvernehmliche Entscheidung gewesen sei. Die aktuellen Ergebnisse spielten laut Cadillac keine Rolle. Stattdessen gab ein anderer Gedanke den Ausschlag: Ein neuer Teamchef kann zum jetzigen Zeitpunkt noch aktiven Einfluss auf das Auto für 2027 nehmen, was bei einem späteren Wechsel nahezu unmöglich gewesen wäre. KI, Kommunikation und GM: Warum Cadillac einen Führungswechsel für nötig hält Noch interessanter als das Timing ist die Frage, warum Cadillac glaubt, eine andere Art von Führung für die nächste Phase des Teams zu benötigen, und warum die Wahl auf Budkowski fiel.
//jseAo3c(“Rect”);
Obwohl das sportliche Bild auf der Strecke für einen Neueinsteiger recht ermutigend ist – vielleicht sogar besser als erwartet -, gibt es hinter den Kulissen Bereiche, die verbessert werden müssen. Dazu gehören die Kommunikation im Werk, das Verhindern von Silodenken innerhalb des Teams und das Sicherstellen, dass die verschiedenen Abteilungen so effektiv wie möglich zusammenarbeiten. Towriss erkennt diese Probleme an und benennt sie als wesentliche Schwerpunkte für die neue Ausrichtung der Teamführung: “Viele dieser Probleme, die in unterschiedlichem Maße tatsächlich existieren, sind meiner Meinung nach Kinderkrankheiten”, räumte der CEO des Cadillac-Teams ein. “In neuen Organisationen wird die Kommunikation immer ein zentraler Punkt sein, den es zu verbessern gilt. Man muss sicherstellen, dass die Dinge richtig organisiert und ausgerichtet sind und dass die Moral während dieser Aufbauphase hochgehalten wird. Solche Probleme sind also zu erwarten und existieren in unterschiedlicher Ausprägung.”
//jseAo3c(“Rect”);
Abgesehen von der menschlichen Komponente glaubt Towriss, dass bei General Motors noch jede Menge ungenutztes Potenzial schlummert. Das gilt beispielsweise für künstliche Intelligenz und die Werkzeuge, über die GM in diesem Bereich verfügt. Towriss glaubt auch, dass Budkowski diese Ressourcen besser nutzen kann, als es Cadillac bisher gelungen ist. Zwischenzeugnisse: Die besten Formel-1-Fahrer zur Sommerpause
“Wenn wir in die Zukunft blicken, schwebt uns ein Modell mit einem sehr stark technisch geprägten Teamchef vor. Und wenn man sich Marcins Hintergrund ansieht und was er in der Formel 1 erreicht hat, passt er genau ins Anforderungsprofil”, stellte Towriss klar. “Ich denke auch, dass die Zeit, die Marcin abseits der Formel 1 verbracht hat, ihm eine Perspektive verschafft hat, um sowohl zu sehen, wie sich die F1 entwickelt hat, als auch die Ressourcen bei General Motors und TWG zu betrachten und ein Zukunftsbild davon zu entwerfen, wie ein Formel-1-Team aussehen kann.”
//jseAo3c(“Rect”);
Und genau bei diesem letzten Punkt kommt KI ins Spiel. “Was die Rolle von KI und ähnlichen Dingen angeht, haben wir meiner Meinung nach erst an der Oberfläche dessen gekratzt, was der Werkzeugkasten von GM der Formel 1 über Cadillac zu bieten hat. Da gibt es also noch mehr Arbeit zu tun.” KI war auch einer der Punkte, die Budkowski bei seinem ersten Medienauftritt als Cadillac-Teamchef hervorhob. Aus seiner Sicht wird das Formel-1-Team der Zukunft ganz anders aussehen als die heutigen Mannschaften.
//jseAo3c(“Rect”);
“Es gibt viele Veränderungen in der F1, und gleichzeitig findet ein riesiger gesellschaftlicher Wandel statt, bei dem die KI viele Dinge übernimmt”, sagte er. “Ich denke, das hält auch in der F1 Einzug, aber wir stehen da ganz, ganz am Anfang. Ich glaube jedoch fest daran, dass die Teams der Zukunft ganz anders aussehen werden als heute.” Budkowskis Aufgabe ist es, an beiden Aspekten parallel zu arbeiten: die Performance des Autos für 2026 zu verbessern und die Zuverlässigkeitsprobleme zu lösen – was er als “dringend” bezeichnete -, während er gleichzeitig den US-Rennstall zukunftssicher aufstellt und mehr aus den Technologien von GM herausholt. Wurde Potenzial liegen gelassen? Das passt zu Cadillacs Ambition, den Schwerpunkt des Teams etwas stärker in die USA zu verlagern. Nicht, indem man dem Standort Silverstone etwas wegnimmt, sondern indem man andere Technologien und Fachkenntnisse auf amerikanischem Boden anzapft.
//jseAo3c(“Rect”);
“Aufgrund der Konzentration von F1-Talenten in Großbritannien fand der Großteil unserer Rekrutierung naturgemäß in Großbritannien statt. Künftig geht dies in eine stärker US-zentrierte Phase über. Das geschieht nicht durch die Versetzung von Personal, sondern dadurch, dass wir die Organisation an anderen Standorten weiter ausbauen”, erklärte Towriss. “Wir schauen uns auch Innovationspotenziale aus anderen Branchen an. Marcin hat die Luft- und Raumfahrt erwähnt, und es gibt noch einige andere Industriezweige. Und wie gesagt: die weitere Integration des bei GM verfügbaren Instrumentariums. Wir werden uns all diese Dinge ansehen und sie über alle Standorte hinweg integrieren.” Neben den Kinderkrankheiten bei der Kommunikation wird dies eine der wichtigsten Aufgaben für Budkowski sein. Cadillac ist überzeugt, dass – obwohl sich das Team noch in den Kinderschuhen befindet – Potenzial liegengelassen wurde. Genau dieses Potenzial innerhalb von GM muss Budkowski langfristig erschließen. Neue Formel-1-Teams seit der Saison 1990
Gleichzeitig zeigt der aktuelle Schritt, dass niemand in der Formel 1 vor einer Entlassung sicher ist und dass immer Ergebnisse geliefert werden müssen – selbst wenn man ein Formel-1-Team von Grund auf neu baut und denken könnte, man habe die Zeit auf seiner Seite.
//jseAo3c(“Rect”);
Budkowski wird sich in seiner neuen Rolle demselben Druck stellen müssen: Ja, seine Hauptaufgabe ist es, das US-Team für die Zukunft zu rüsten, aber gleichzeitig ist jeder Sonntag in der Formel 1 ein Examen. “Ich habe nicht das Gefühl, dass ein extrem großer Druck auf mir lastet, aber ich bin sicher, dass es Erwartungen geben wird. Das ist in dieser Art von Rolle logisch und normal. Diese Erwartungen sind aber nicht unberechtigt und völlig losgelöst von der Realität der Formel 1”, sagte Budkowski.
//jseAo3c(“Rect”);
“Ich denke, jeder versteht die Größe der vor uns liegenden Herausforderung, aber der Wille ist da, sie anzugehen. Und genau mit dieser Einstellung gehe ich an die Sache heran.” Die Argumentation von Cadillac ist nicht völlig unlogisch und fügt sich in einen breiteren Trend der Formel 1 ein, in dem Teams zunehmend auf technisch versierte Führungskräfte setzen – vielleicht auch in Anlehnung an erfolgreiche Vorbilder. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
MotoGP-Reifen: Wer bezahlt sie und wie teuer sind sie wirklich?
DTM
DTM-Rennen Nürburgring 1: Cairoli feiert dritten Saisonsieg, zwölf Autos im Ziel
Formel 1
Warum selbst Mercedes teilweise von Kimi Antonelli überrascht ist
Motorrad
MotoGP-Teammanager Davide Brivio: “Ich verdanke Valentino Rossi alles”
Für einen Neueinsteiger bleibt das Timing dennoch bemerkenswert. Es zeigt vor allem, wie unerbittlich die Formel-1-Welt sein kann – selbst während der Sommerpause und selbst für den neuesten Rennstall im Startfeld.
Formel1.de
En güncel Motorsporları haberleri için sosyal medyada TRmotosports’u takip edin.





